Notgroschen — wie viel, wo, wann?
Drei Fragen, drei klare Antworten. Wir gehen konkrete Eurobetraege durch, nicht Faustformeln. Welcher Notgroschen passt zu Ihrem Haushalt, wo sollte er liegen und wann darf man ihn anfassen, ohne sich Vorwuerfe zu machen.
Wie hoch der Notgroschen sein sollte
Die Faustregel "drei Monatsausgaben" hilft nicht weiter. Drei Monatsausgaben in Stuttgart sind etwas anderes als drei Monatsausgaben in Schwerin, drei Monatsausgaben mit zwei Kindern etwas anderes als drei Monatsausgaben als Single mit Mietzuschuss.
Aus 92 Durchlaeufen mit ueber 1 800 Haushalten kennen wir die ungefaehre Untergrenze, ab der ein Notgroschen seine Funktion erfuellt:
| Haushaltstyp | Notgroschen Mindesthoehe |
|---|---|
| Single ohne Auto, Mietwohnung | 2 200 € |
| Paar ohne Kinder, Mietwohnung | 3 000 € |
| Paar, ein Kind unter 6 Jahren | 3 800 € |
| Paar, zwei Kinder, ein Auto | 4 600 € |
| Familie im Eigenheim | 6 000 € |
Die Zahlen sind keine festen Vorgaben — Ihre Lebenssituation kann sie nach oben oder unten verschieben. Aber sie liefern einen brauchbaren Ausgangspunkt fuer die Diskussion am Kuechentisch.
Wo das Geld liegen sollte
Der Notgroschen muss erreichbar sein. Innerhalb von 24 Stunden sollten Sie ueber den Betrag verfuegen koennen — fuer eine Autoreparatur am Donnerstagabend, eine Mietkaution am Wochenende, einen Zahnarzt am Montag.
Geeignet:
- Tagesgeldkonto bei einer deutschen Direktbank. Kostenlos, eingelagengeschuetzt bis 100 000 EUR pro Bank, Verfuegung innerhalb eines Werktages.
- Zweites Girokonto bei einer anderen Bank. Falls Ihre Hauptbank ausfaellt (technisch oder bei Insolvenz, was selten ist), haben Sie immer noch Zugriff.
Nicht geeignet:
- Festgeld — nicht erreichbar.
- ETF-Sparplan — schwankt, koennte gerade dann im Minus sein, wenn Sie ran muessen.
- Bargeld zu Hause ueber 200 EUR — Diebstahlsrisiko und keine Verzinsung.
- Riester oder Lebensversicherung — erst gar nicht.
Wann der Notgroschen angefasst wird
Genau dafuer ist er da. Eine Autoreparatur, eine neue Waschmaschine, eine kurzfristige Mehrausgabe — das ist der Notgroschen. Nicht "weil der Sommerurlaub gut waere". Nicht "weil das neue Handy 20 % im Angebot ist".
Drei Fragen, die helfen zu unterscheiden:
- Ist die Ausgabe heute zwingend? Geht sie nicht 30 Tage spaeter?
- Schadet die Verzoegerung Gesundheit, Arbeit oder Wohnen?
- Gibt es eine Alternative ohne Notgroschen-Anfassen (Ratenkauf vom Haendler, ein gebrauchtes Modell, Aufschub)?
Wenn 1 und 2 ja, 3 nein — Notgroschen anfassen. Sonst nicht. Aufgefuellt wird der Notgroschen ueber die naechsten drei bis sechs Monate, mit klar definierten Wochenbeitraegen.
Hausaufgabe Woche 4
Berechnen Sie Ihren Ziel-Notgroschen. Tragen Sie ein, was heute schon vorhanden ist und woher die Differenz kommen soll. Wir besprechen am Dienstag, wie realistisch das Tempo ist.